Alexander Trettin
DIE DEUTSCHE FREIMAUREREI
Strukturen und Befunde der Gegenwart
Freiwillige Mitgliedschaftsorganisationen stehen vor der grundlegenden Herausforderung, die langfristige Bindung ihrer Mitglieder unter Bedingungen gesellschaftlichen Wandels, wachsender Individualisierung und sinkender institutioneller Bindungskraft aufrechtzuerhalten. Während die Forschung die Bedeutung gemeinsamer Werte, symbolischer Praktiken und normativer Orientierung für organisationale Integration vielfach hervorgehoben hat, ist bislang weniger geklärt, wie konkrete Erfahrungen auf der lokalen Organisationsebene in organisations- weite Loyalität übersetzt werden. Der vorliegende Beitrag untersucht diese Frage am Beispiel der Freimaurerei in Deutschland als einer normativ geprägten, ritualisierten Mitgliedschaftsorganisation. Die Studie basiert auf einer groß angelegten Onlinebefragung von N = 2,381 Mitgliedern sowie auf der Auswer- tung offener Antworten im Rahmen eines Mixed-Methods-Designs. Quantitativ werden deskriptive Analysen, konfirmatorische Faktorenanalysen und Regressionsmodelle eingesetzt; qualitativ erfolgt eine thematische Ver- dichtung offener Angaben. Die Ergebnisse zeigen erstens eine starke Bindung vieler Mitglieder an ihre jeweilige Loge, zweitens eine deutlich differenziertere und teils kritischere Bewertung der Freimaurerei als Gesamtorganisation und drittens einen klaren Zusammenhang zwischen der wahrgenommenen Qualität der lokalen Logenerfahrung und der organisations- bezogenen Loyalität. Gleichzeitig zeigt sich ein ausgeprägter Ebeneneffekt organisationaler Wahrnehmung: Mit zunehmender organisationaler Distanz sinkt nicht nur die Zustimmung zu institutionellen Bewertungen, sondern auch die grundsätzliche Beobachtbarkeit organisationaler Prozesse. Darüber hinaus zeigt die Analyse der Wertorientierungen, dass traditionsnahe und reformnahe Orientierungen empirisch nicht als Gegensätze organisiert sind, sondern substanziell positiv miteinander verbunden auftreten. Die daraus entwickelte Typologie weist keine polarisierte Lagerstruktur auf, sondern wird von integrativen und schwach ausgeprägten Orientierungen dominiert. Der Beitrag zeigt damit, dass organisationale Loyalität in normativ-symbolischen Mitgliedschaftsorganisationen wesentlich über lokale Erfahrungsräume vermittelt wird und dass organisationale Differenzen nicht nur als Kritik, sondern auch als Ausdruck unterschiedlicher Beobachtbarkeit und struktureller Kopplung interpretiert werden müssen. Zugleich erweitert die Studie die organisationssoziologische Forschung zu freiwilligen Vereinigungen, indem sie Freimaurerei nicht nur als historischen Sonderfall, sondern als analytisch aufschlussreichen Typus wertebasierter Organisation untersucht.
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| Autor: | Alexander Trettin |
|---|---|
| Covertyp: | Hardcover |
| Einbandart: | Gebunden |
| Format: | 24,0 x 17,0 cm |
| ISBN: | 978-3-96285-306-8 |
| Seitenanzahl: | 252 |
| Sprache(n): | Deutsch |
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